Als ich gestern die neue "Mit Kindern wachsen" durchblätterte, schlug mir ein Satz ziemlich brutal ins Gesicht: Die Geschwisterbeziehung ist die längste Beziehung im Leben. Mein erster Gedanke war: 'Nein. Ist sie nicht.'
Denn meine wurde nach 14 Jahren brachial beendet. Von heute auf morgen. Regen und geringes Reifenprofil ließen mich allein zurück in einem viel zu großen Zimmer und einer kräftig gerüttelten Familie. Einfach so. Ohne Vorankündigung.
Obwohl ich nicht weiß, was eine Ankündigung gebracht hätte. Einen längeren Schmerz? Eine Vorbereitung auf das gänzlich Unbekannte?
Als eine sehr gute Freundin mir ein paar Jahre später gegenüber saß, nachdem ihre Schwester nach 3-jähriger Krebskrankheit gestorben war, wussten wir beide nicht, wer es schwerer oder leichter gehabt hatte. Sie, die lange mitgelitten, Hoffnungen geschöpft und wieder fallen gelassen und am Ende enttäuscht aber erlöst war? Oder ich, die von jetzt auf gleich einen Schmerz erfuhr, auf den es doch in keinem Fall eine Vorbereitung zur Linderung hätte geben können? Und letztendlich war es egal.
Wir waren geschüttelt und am Ende. Am Ende eines langen gemeinsamen Weges. Keine Gabelung. Keine Kreuzung. Nicht einmal ein kleiner geheimer Pfad, auf dem man hätte davonlaufen können, um sich tief im Wald wieder zu treffen. Wir saßen in dieser Sackgasse fest. Jede für sich allein.
Aber heißt das wirklich, dass unsere Geschwisterbeziehung damit beendet war? Ich kann nur für mich sprechen. Und sagen: "Nein." Denn ich bin nun weder Einzelkind noch Erstgeborene meiner Eltern. Ich bin ein Mensch neben einem großen Loch. Und mit diesem Loch bin ich in Beziehung. Täglich. Sei es nur ein kleiner Gedankenblitz. Ein zufälliger Blick auf ein Foto. Ein Schwall an Erinnerungen. Oder ein tiefes Vermissen.
Das, was meine Geschwisterbeziehung von anderen unterscheidet, ist, dass sie eindimensional ist. So, wie meine Erinnerungen eindimensional sind. Es gibt niemanden, der sagt: "Nein, das war doch so und so. Erinnerst Du Dich nicht?" und ich sage: "Ja, stimmt. Das hatte ich ganz vergessen!"
Nein, ich erinnere mich an Dinge und Situationen und genau so verwachsen sie sich in meinem Kopf. Ich habe mit meinem Bruder "bei endlosen Autofahrten in den Urlaub die Rückbank des Autos geteilt, gemeinsam die versteckten Winkel des Gartens erobert , und die düsteren Ecken des Kellers." Aber schön sind sie nicht, die Erinnerungen. Fad. Ungewürzt mit einem bitteren Nachgeschmack. Eindimensional.
Aber ich hoffe, dass ich irgendwann bereit bin, diesen Artikel zu lesen. Ohne bitteren Nachgeschmack. Sondern mit sichtlicher Vorfreude auf die zweidimensionale und kunterbunte Geschwisterbeziehung, die Herrn Klein erwartet. Und uns.
Posts mit dem Label Beziehung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Beziehung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Dienstag, 30. Oktober 2012
Mittwoch, 16. Mai 2012
Muttertag, Vatertag
Sonntag war Muttertag. Morgen ist Vatertag. Die Blumenhändler hatten ihren Spaß. Die Sockenindustrie freut sich auf morgen. Und in Deutschland reiben sich die Gastronomen bereits die Hände.
Im ganzen Web war von Frauen zu lesen, die am Sonntag verwöhnt wurden. Und von denen, die enttäuscht waren. Hatten sie doch extra den Mann um ein Frühstück gebeten. Oder wenigstens ein wenig Grün am Küchentisch. Warum kommt es an diesen besonderen Tagen immer wieder zu Enttäuschungen?
Natürlich haben es die, die sich gar nichts erwarten, am einfachsten. Sie werden nicht enttäuscht. Und auch wenn ich zu denen gehöre, so verstehe ich, dass es wohl Menschen gibt, die gewisse Erwartungen hegen. Am Valentinstag. Am Frauentag. Und eben auch am Muttertag. Und wenn die Kinder noch zu klein sind, so muss sich eben der Papa kümmern. Oder?
Muss er das wirklich ?
Hat er nicht eine eigene Mutter, um die er sich an dem Tag kümmert? Oder eben auch nicht? Ist es wirklich seine Aufgabe, die Mutter seines Kindes zu verwöhnen?
Klar, es gibt die Männer, die das tun. Gern sogar. Und das ist eben der Knackpunkt. Wer es gern tut, den soll man nicht aufhalten. Dann gibt es eben die Männer, die das tun, wenn man sie darum bittet. Sie vergessen es einfach oder „denken gar nicht darüber nach“. Da ist es wichtig, die eigene Erwartung klar zu äußern. „Ich wünsche mir.“ lautet die einfache Zauberformel.
Und dann gibt es die Männer, die auch darauf nicht eingehen. Sind das dann gleich Idioten? Sicher nicht.
Vielleicht ist es wichtiger, an diesem Tag – oder generell - zu überlegen, wie der Mann tickt. Ist es nicht einfacher zu akzeptieren, dass diese aufgesetzten Freuden und Bescherungen nicht seine Art sind? Und freue ich mich wirklich über Blumen oder Schokolade, wenn ich sie mir quasi erzwungen habe? Was gefällt mir stattdessen an meinem Partner? Was bekomme ich sonst von ihm? Nicht im materiellen Sinne, sondern als Mensch? Ich hoffe, dass hier jeder Frau etwas einfällt, ansonsten… halleluja.
Und das gilt nun auch für den Vatertag. Frau kann jetzt natürlich ganz wütend und enttäuscht diesen Tag ebenso ignorieren. Vielleicht hatte sie aber schon eine schöne Idee? Eine kleine Überraschung? Macht es Sinn, Gleiches mit Gleichem zu vergelten? Oder bereitet sie ein extra großes Frühstück – damit er vielleicht ganz hinten rum und ihren fraulich querschießenden Gedanken folgend darauf kommt, dass er am Sonntag was verpasst hat? Da wage ich zu behaupten, dass die 2. Enttäuschung in nur einer Woche vor der Tür steht.
Als Eltern ist unsere Partnerbeziehung etwas sehr wichtiges. Etwas Fundamentales. Da ist es zum einen wichtig, die eigenen Erwartungen klar darzustellen. Dazu gehört, sie selbst erst einmal zu erkennen. Zum anderen ist es wesentlich, die/den andere/n zu sehen, wie sie/er wirklich ist. Und was ich letztendlich von ihr/ihm erwarten kann. Ansonsten werde ich wohl jedes Jahr aufs Neue enttäuscht.
Das Ganze ist keine so unwesentliche Grundlage für die Beziehung mit dem Kind. Denn wenn wir als Eltern es nicht schaffen, unsere Erwartungen und Wünsche deutlich zu machen, wie soll es uns vor dem Kind gelingen? Oder umgekehrt – wenn es mir vor dem eigenen Kind gelingt, aber nicht vor meinem/r Partner/in – was sagt mir das über meine Partnerschaft?
Es ist nicht nur ein Geben und Nehmen im Materiellen Sinne, sondern auch auf der Gefühlsebene. Ein ständiges Kennenlernen. Zumindest, wenn wir es uns erlauben. Und spannender bleibt es so auch.
Im ganzen Web war von Frauen zu lesen, die am Sonntag verwöhnt wurden. Und von denen, die enttäuscht waren. Hatten sie doch extra den Mann um ein Frühstück gebeten. Oder wenigstens ein wenig Grün am Küchentisch. Warum kommt es an diesen besonderen Tagen immer wieder zu Enttäuschungen?
Natürlich haben es die, die sich gar nichts erwarten, am einfachsten. Sie werden nicht enttäuscht. Und auch wenn ich zu denen gehöre, so verstehe ich, dass es wohl Menschen gibt, die gewisse Erwartungen hegen. Am Valentinstag. Am Frauentag. Und eben auch am Muttertag. Und wenn die Kinder noch zu klein sind, so muss sich eben der Papa kümmern. Oder?
Muss er das wirklich ?
Hat er nicht eine eigene Mutter, um die er sich an dem Tag kümmert? Oder eben auch nicht? Ist es wirklich seine Aufgabe, die Mutter seines Kindes zu verwöhnen?
Klar, es gibt die Männer, die das tun. Gern sogar. Und das ist eben der Knackpunkt. Wer es gern tut, den soll man nicht aufhalten. Dann gibt es eben die Männer, die das tun, wenn man sie darum bittet. Sie vergessen es einfach oder „denken gar nicht darüber nach“. Da ist es wichtig, die eigene Erwartung klar zu äußern. „Ich wünsche mir.“ lautet die einfache Zauberformel.
Und dann gibt es die Männer, die auch darauf nicht eingehen. Sind das dann gleich Idioten? Sicher nicht.
Vielleicht ist es wichtiger, an diesem Tag – oder generell - zu überlegen, wie der Mann tickt. Ist es nicht einfacher zu akzeptieren, dass diese aufgesetzten Freuden und Bescherungen nicht seine Art sind? Und freue ich mich wirklich über Blumen oder Schokolade, wenn ich sie mir quasi erzwungen habe? Was gefällt mir stattdessen an meinem Partner? Was bekomme ich sonst von ihm? Nicht im materiellen Sinne, sondern als Mensch? Ich hoffe, dass hier jeder Frau etwas einfällt, ansonsten… halleluja.
Und das gilt nun auch für den Vatertag. Frau kann jetzt natürlich ganz wütend und enttäuscht diesen Tag ebenso ignorieren. Vielleicht hatte sie aber schon eine schöne Idee? Eine kleine Überraschung? Macht es Sinn, Gleiches mit Gleichem zu vergelten? Oder bereitet sie ein extra großes Frühstück – damit er vielleicht ganz hinten rum und ihren fraulich querschießenden Gedanken folgend darauf kommt, dass er am Sonntag was verpasst hat? Da wage ich zu behaupten, dass die 2. Enttäuschung in nur einer Woche vor der Tür steht.
Als Eltern ist unsere Partnerbeziehung etwas sehr wichtiges. Etwas Fundamentales. Da ist es zum einen wichtig, die eigenen Erwartungen klar darzustellen. Dazu gehört, sie selbst erst einmal zu erkennen. Zum anderen ist es wesentlich, die/den andere/n zu sehen, wie sie/er wirklich ist. Und was ich letztendlich von ihr/ihm erwarten kann. Ansonsten werde ich wohl jedes Jahr aufs Neue enttäuscht.
Das Ganze ist keine so unwesentliche Grundlage für die Beziehung mit dem Kind. Denn wenn wir als Eltern es nicht schaffen, unsere Erwartungen und Wünsche deutlich zu machen, wie soll es uns vor dem Kind gelingen? Oder umgekehrt – wenn es mir vor dem eigenen Kind gelingt, aber nicht vor meinem/r Partner/in – was sagt mir das über meine Partnerschaft?
Es ist nicht nur ein Geben und Nehmen im Materiellen Sinne, sondern auch auf der Gefühlsebene. Ein ständiges Kennenlernen. Zumindest, wenn wir es uns erlauben. Und spannender bleibt es so auch.
Abonnieren
Posts (Atom)
