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Mittwoch, 21. März 2012

vorgeburtliche Erziehung

Viele glauben ja, dass Kindererziehung ungefähr mit dem 1. Geburtstag beginnt. Wenn das Kind den eigenen Willen entwickelt, mehr und mehr austestet, die sogenannte Trotzphase anläuft. Und ja, das erste Jahr ist geprägt vom Stillen, Kennenlernen, Schlafmangel und all den Phasen und Schüben, die die (senso)motorische Entwicklung ausmachen.
Aber Erziehung beginnt meiner Meinung nach viel früher. Nämlich in der Schwangerschaft.





Natürlich heißt das nicht, dass wir, sobald unser Kind laut den entwicklungsbilogischen Aussagen unsere Stimme im Mutterleib vernimmt, ihm Regeln und Grenzen eintrichtern. Es bedeutet viel mehr die Auseinandersetzung mit dem, was auf uns zukommt. Als zukünftige Eltern. Aber auch als Mensch. Als (Ehe)partnerIn. Als Frau. Als Mann.
Nun kann ich in einer Schwangerschaft zwar keine Situationen wirklich realitätsgetreu durchspielen oder planen - und das soll ich auch gar nicht - aber ich kann mir überlegen, was mir wirklich wichtig ist. Für mich und mein Kind. Ich kann mir eine Basis schaffen, auf der ich sicher und geerdet stehe, wenn meine Welt sich wandelt. Und das wird sie.

Und wenn ich als schwangere Frau dies mit meinem Partner gemeinsam mache und die Hintergründe seiner Erziehung mit denen meiner auf den Tisch lege, um daraus einen gemeinsamen Weg zu stricken, habe ich damit Arbeit und Überlegungen geleistet, die mir später sowieso blühen. Nur bin ich dann vielleicht gerade übermüdet, genervt und frustriert.

Aus welchen Gründen und wie auch immer wir unsere Partner kennengelernt, behalten und als Vater bzw. Mutter unserer Kinder gewählt haben, ist für die nächste Zeit nebensächlich. Denn sicher ist, dass wir alle aus unterschiedlichen Kreisen, Traditionen und Kulturen kommen. Diese haben uns unwillkürlich geprägt und wir stehen nun davor, sie bewusst oder unbewusst weiterzugeben - an unsere Kinder. Es ist also besonders hilfreich zu überlegen: Was will ich weitergeben? Und was auf keinen Fall? Und oben drauf zu fragen: Warum das ja und das nicht?
Dabei erfahren wir auch Dinge über unsere/n Partner/in, die essentiell sein werden für die gemeinsame Begleitung unserer Kinder ins Leben.

Die Auseinandersetzung mit unserer Kindheit kommt als Mutter oder Vater früher oder später sowieso. Je eher ich mich ihr stelle, umso stärker kann ich ihr begegnen. Denn Stärke ist es, was es braucht dazu. Und Offenheit für Veränderung. Veränderung in mir und in meinem Leben. Veränderung, die ich zulasse und dankbar annehme.

Grundsätzlich ziehe ich dem Wort Erziehung das Wort Begleitung vor. Denn unter Erziehung verstehen wir allzu häufig das Zurechtzupfen unserer Kinder, damit sie einem Bild, das die Gesellschaft von ihnen hat, entsprechen. Oder auch nicht. Viel wichtiger ist es meiner Meinung nach jedoch, dass wir einen gemeinsamen Weg mit unseren Kindern finden und gehen. Ihnen Dinge vorleben, statt sie zu vermitteln und an den Stellen, an denen sie nicht weiterwissen, hilfrechend unterstützen. Begleiten heißt nicht, den Weg vorzugeben, sondern auch einmal vom Kind geleitet abzubiegen, und neues zu erfahren. Wenn wir uns all dessen bewusst sind, ist es zwar noch lange nicht alles immer einfach, aber klarer und etwas leichtfüssiger.


In meiner Begleitung werdender Eltern werde ich Euch darauf sensibilisieren. Damit ihr gemeinsam wachsen könnt. Gemeinsam vor allem eins werdet - eine Familie.

Samstag, 17. März 2012

Selbst ständig selbständig.

Die letzten 2 Tage habe ich mich berieseln lassen zum Thema "Start in die Selbständigkeit". Werbung. Gewerberechtliches. Steuern. Versicherungen.
Klingt trocken. Dennoch bin ich jetzt motivierter als je zuvor.





Denn was mich von all dem, was ich gehört habe, am meisten inspiriert hat, war der Spruch: "Selbständig besteht aus selbst und ständig." Das Übliche - als Unternehmer bist Du immer aktiv und das hauptsächlich auf Dich allein gestellt. Aber wo genau liegt da bei mir der Unterschied zu jetzt?

Seitdem ich schwanger war beschäftigte ich mich fast ausschließlich mit den Themen Kinder, Familie, Entwicklung, Pädagogik, Beziehung, Erziehung, Bindung etc. Alles, was dazugehört, sauge ich auf wie ein Schwamm. Meine Kurse und Ausbildungen absolviere ich mit unglaublicher Begeisterung, in Begegnungen mit Kindern und Familien spüre ich meine empathische neue Sichtweise auf Dinge und Situationen, die mir vorher fremd waren. Meine Ideen und Konzepte für alles, was ich vorhabe, reichen, um die nächsten Jahre zu erfüllen. Zumindest zeitlich und thematisch. Das mit den Finanzen, ist eine andere Frage. Aber was ich seitdem mache, ist mir ständig selbst neues Wissen anzueignen und zu überlegen, wie ich es weitergeben kann. Wie ich Eltern und Kinder auf ihren spannenden Wegen begleiten und lächelnd beiseite stehen kann. Seit nun mehr zwei Jahren bin ich also selbständig. Und verdiene rein finanziell gesehen nichts dabei.

Die Finanzen. Sie sind es wohl, die mich momentan bremsen. Mit einem Kind ist man vorsichtiger. Mit einem Wohnprojekt noch mehr. Aber ohne Risiko, ohne den ersten Schritt in die richtige Richtung, geht es nicht. Warte ich bis wir im Wohnprojekt eingezogen sind, findet sich danach ein anderer Grund, die Füße noch auf dem Teppich zu halten.
Nein, was es braucht ist ein Los! Eine Startklappe. Der letzte Push. Und hier verlasse ich mich. Ich verlasse mich auf das Gefühl, dass mir bisher in meinem Leben IMMER gesagt hat, wann es soweit ist. Es hat mir gesagt, wann ich das eine Studium endlich schmeißen soll, um das nächste zu starten. Ob und wann ich ins Ausland gehen soll und wann zurück. Wann ich einen job wechseln soll und wann ein Kind bekommen. Geplant habe ich nie wirklich lange. Nie weit im Voraus. Es war irgendwann da, das Gefühl. Und dann ging nichts mehr anders, als ihm zu folgen.
Natürlich hat es mich im Leben 1.0 nicht dahingebracht, wo ich hinwollte. Aber es hat mich ja dennoch auf den Weg gebracht, der mich nun ins Leben 2.0 führt. Und es hat mich bei all dem zu dem gemacht, was ich jetzt bin. Dieser motivierten, kompetenten und weitsichtigen Person, die so viele Ideen in ihrem Kopf trägt und festhält, dass dieser zu explodieren droht.

Aber nicht mehr lange. Denn es ist im Anmarsch. Dieses Gefühl. Nur so, wie ich meinem Sohn nicht das Laufen beibringen konnte, kann ich diesem Gefühl jetzt nicht die Hälfte des Weges ersparen. Es muss den Weg selber gehen, erst dann ist es bereit. Und dann bin ich es auch.

Mittwoch, 7. März 2012

Damals und Heute

Vor kurzem hat Eltern.de einen kurzen Artikel online gestellt, in dem sie fachlich argumentiert haben, warum man ein Kind in den ersten Monaten nicht verwöhnen kann. Daraufhin gab es große Erleichterung bei vielen Familien. Hurra, ich darf mein Kind nach Bedarf stillen und Tragen und auf jedesWeinen sofort reagieren und mache damit genau alles richtig. Egal was die lieben Großeltern, Verwandten und Tanten der vorigen Generationen sagen.

Damit hat Eltern.de zwar wichtige und richtige Fakten auf den Tisch gelegt. Aber sie haben auch das Feuer zwischen den Generationen neu geschürt. Das ist kein Vorwurf. Das ist eine Feststellung. Denn was nun passiert, ist, dass viele Mütter weiter so handeln, wie es ihr Herz bestimmt. Das ist gut. Aber sobald nun wieder eine Frage, eine Meinung oder ein skeptischer Blick aus der vorigen Generation kommt, werden sie kontern. Und die Kluft weiten.

Genau da möchte ich schlichten. Die vorige Generation hat getan, was sie für richtig hielt. Zu ihrer Zeit, ihrem Wissenstand, ihrem Empfinden nach. Sie waren es gewohnt, dass deren Eltern und Großeltern ihnen Tips und Ratschläge geben, wie man mit Babies und Kindern umzugehen hat. Und haben sich darauf verlassen. Ohne Bücher, Mütterberatungen oder Internet. Und nun wollen sie dieses Wissen endlich ebenso weitergeben. Und tun das oft auf die Art und Weise, wie sie es selbst erlebt haben. Forsch und Streng. Das ist natürlich nicht immer gut und richtig, vor allem bei frischen Müttern, deren Hormone noch Achterbahn fahren. Wie reagiert man nun als Mutter angemessen auf Kommentare wie „Du wirst Dein Kind noch in die Schule tragen.“ oder „Ein Bub braucht eine kräftige Stimme.“ ?
Meine Meinung ist: am besten erst einmal gar nicht. Denn Antworten aus dem Affekt heraus sind oft unüberlegt und können verletzen. Alternativ kann man mit Ich-Sätzen klar vermitteln „Ich glaube aber, dass ihr/ihm das gut tun wird.“ Dann ist das nicht gleich eine „Ihr habt damals alles falsch gemacht“-Watschn. Denn das ist es oft, was wir vermitteln, wenn wir uns sofort verteidigen.

Es gibt natürlich Großeltern, die nach wie vor den Kopf schütteln, und nicht verstehen können, wie man ein Kind so „verhätscheln“ kann. Ich denke, diesen kann man dann einfach mal klar sagen „Ich weiß, Ihr könnt das nicht verstehen, aber ich habe meine Gründe dafür.“ Die Diskussion einfach im Keim ersticken. Denn diese Großeltern sind auch selten an Fakten und neuen Erkenntnissen interessiert. Dann gibt es die, die sich sogar beginnen dafür zu interessieren, warum heute etwas anders empfohlen und gemacht wird, als früher. Das sind die glücklichen Fälle.

Ich habe so ziemlich beides erlebt. Meine Eltern haben sicher vieles anders gemacht damals. Aber da meine Eltern geschieden sind, habe ich von zwei Seiten auch zwei verschiedene Meinungen gehört, wie ich selbst auf diese Welt begleitet wurde. Es verliert sich also vieles auch in der Zeit. Und wer weiß, vielleicht versteckt sich hinter so Sätzen wie „Das Kind muss doch was Gescheites essen!“ auch schnell die eigene Unsicherheit und Befürchtung, etwas „falsch“ gemacht zu haben. Daher plädiere ich für mehr Nachsicht und Respekt. Von beiden Seiten. Denn was ich hier nicht möchte, ist ausschließlich die ältere Generation in Schutz nehmen. Ich habe nur oft das Gefühl, dass sie sehr schnell verteufelt wird. Aus Gründen, ja, aber nicht immer fair.
Und das werde ich auch in meine Arbeit einfließen lassen. Sowohl die Sensibilisierung bei den frischen Eltern als auch bei den Großeltern. Weil ich glaube, so einige Probleme und Ärgernisse, die es einfach nicht braucht, im Vorfeld ausräumen zu können.

Was habt Ihr für Sprüche gehört von Verwandten und Bekannten, die Euch verärgert oder gar verletzt haben ? Wie habt Ihr reagiert ?

Sonntag, 4. März 2012

Einfach Mensch sein

Dieses Wochenende war eins für die Papiertonne. Zerknüllen, wegwerfen, vergessen. Die Herren Groß & Klein haben sich fiebernd durch die Tage geschoben. Und Nächte. Ein krankes Kind ist nie einfach, aber ohne Unterstützung von Herrn Groß stoße ich hier schnell an meine Grenzen.

Das ist nicht böse gemeint. Herr Klein ist weinerlich und anhänglich, weil es ihm nicht gut geht. Das verstehe ich voll und ganz. Er schläft wenig und schlecht und dafür kann er nichts. Dennoch wünsche ich mir an solchen Tagen oft nichts mehr als Ruhe und Schlaf - weil genau das Mangelware ist zu der Zeit. Und so werde ich auch irgendwann weinerlich. Auf meine Art. Ich jammere und bin frustriert, warum ALLES IMMER so mühsam sein muss. Dabei ist es das gar nicht IMMER ALLES. Nur eben jetzt gerade und da besonders. Und dann bin ich schnell mal einige Universen entfernt von dem, in dem ich eine perfekte Mutter bin.

Und wenn dann mal für einen Moment ALLES wieder in Ordnung ist, Herr Klein gegessen oder geschlafen hat, zufrieden spielt und ich die Supermama bin, frage ich mich, wie ich bitte Familien begleiten und unterstützen möchte, wenn ich doch selbst so schwanke.
Denn es sind ja nicht nur die Krankheitstage. Es sind auch die einfach nur schlechten, die man eben hat als Mensch. Als Frau. Als Mutter. Wenn das achtsame und kooperative Wickeln mal wieder nicht so funktioniert, gewaltfreie Kommunikation eine neue Definition erhält und umherfliegendes Spielzeug mich auf Palmen und Herrn Klein demzufolge aus der Fassung bringt. Wenn ich eben nicht perfekt bin.

Aber muss ich das denn? Muss ich wirklich all das, was ich als sinnvoll, hilfreich und unterstützend ansehe, selbst auch können und leben? Die Antwort ist glüklicherweise: Nein.

Denn wenn ich Eltern, die um meine Begleitung bitten, als diese allwissende Koriphäe begegne, ist das gefährlich. Was verzweifelte oder auch nur unsichere Eltern als letztes brauchen, ist das lebende Bild von dem, wonach sie streben. Was sie brauchen, ist Empathie.

Es ist hilfreicher zu erkennen, was genau in dieser Situation mit genau diesem Problem hilfreich sein KÖNNTE.. Ein paar Scheiben wischen und Klarheit schaffen. Türen öffnen, die neue Räume schaffen können, aber nicht müssen.
Das ist eine sehr feinfühlige Arbeit. Das wissen alle, die schon einmal gutgemeinte Ratschläge gegeben haben, die den gewünschten Effekt weit verfehlt haben. Stattdessen ist es oft hilfreicher, ein paar persönliche - menschliche - Erfahrungen hineinzustreuen. "Ich weiß, das ist nicht leicht" oder "Damit hatte ich auch meine Mühe."

Einfach ein Mensch sein, der ebenso NUR nach dieser elterlichen Perfektion strebt, die es so nicht gibt.

Montag, 27. Februar 2012

Frag mich, sonst schweig ich.









Am Samstag fuhr ich mit Herrn Groß und Herrn Klein in einem Lift, in den sich auch ein eigentlich gehfähiges älteres Ehepaar quetschte. Herr Klein war sehr müde und saß daumenlutschend, ins Narrenkastl schauend im Wagen. Die Dame sah ihn an und wagte den bisher dreistesten aller Sprüche: "Na Du armes Kind, hast Du kein Lutschi, dass Du am Daumen lutschen musst?" Man ist in solchen Momenten gelähmt im Mund, leider. Oder besser so. Denn hinterher fielen uns ca 100 verschiedene Varianten ein, darauf zu reagieren. Keine davon wirklich freundlich.

Auch mir begegnen im Alltag Situationen, die ich laut und ungläubig kommentieren möchte. Aber genau das sind die Momente, in denen sich die angehende Familienbegleiterin auf die Zunge beißt.

Es ist klar - seitdem ich mich mit allen Thematiken um Eltern, Kinder und Familien befasse, betrachte ich die Welt um mich herum wie ein großes Aquarium. Jeder Spielplatzbesuch gleicht einer Hospitation, die Besuche beim Kinderarzt bieten mir Recherchematerial für eine ganze Doktorarbeit. Die Feinheit dabei ist jedoch, sich das nicht anmerken zu lassen. Keine kritischen Blicke, keine wertenden Mimiken oder Gestiken und vor allem: keine Kommentare!

Das ist nicht immer leicht. Aber wer bereits - so wie wir am Samstag - von anderen komplett fremden Personen zu so persönlichen, die eigene Familie, die eigenen Kinder betreffenden Themen angesprochen und vor allem bewertet wurde, der weiß, wie ablehnend, wie wütend und negativ man auf solche Kommentare reagiert.
Würde ich nun also überall meine wohlmeinenden Ansichten zu Wort bringen, wäre ich als Familienbegleiterin sicher recht bald allein auf weiter Flur. Denn es ist nicht möglich, Menschen zu berichtigen, zu helfen oder zu unterstützen, wenn diese nicht darum gebeten haben.
Das gilt für Alkoholiker, psychisch Kranke oder eben auch Eltern.

Es ist aber nicht nur das Gefühl, auf etwas angesprochen zu werden, was eventuell schon leise in uns schlummert und brodelt, oder auch noch gar nicht bemerkt wurde. Diese Gefühl zu versagen, etwas komplett falsch zu machen und neben der Spur zu laufen.
Es ist ebenso die Tatsache, dass man ein Problem nicht lösen kann, wenn keine Frage da ist. Denn das, was ich unterwegs, auf der Straße, am Spielplatz sehe, sind Momentaufnahmen. Sie sagen nicht, rein gar nichts, über das gesamte System dieser einen Familie aus.
Und eine Frage ist erst dann da, wenn die Person diese Frage selbst formulieren kann, ihr Problem kennt und bereit ist, mir mehr über all das zu erzählen, was damit zusammenhängt.

Also ist es ok zu beobachten, interessiert zu schauen und ja, auch hie und da zu bewerten. Wenn ich all das für mich behalte, schlucke und als Lernprozess sehe. Und meine Kommentare dann abgebe, wenn sie interessiert gehört und aufgenommen werden wollen. Dann bewirken sie auch etwas, und das ist es doch, was ich möchte. Bewirken.


Was sind die schärfsten Sprüche, die Euch als Eltern begegnet sind? Und wie habt Ihr reagiert?

Sonntag, 26. Februar 2012

Warum brauchen wir eine FamilienbegleiterIn ?

Diese Frage stellt man mir häufig in letzter Zeit. Was genau macht die ? Gibt es dafür Bedarf ? Und in den Hinterköpfen meiner Eltern sicher auch immer die Sorge "Kann man damit Geld verdienen ?"
Meine Antworten sind meist: Viel. Ja. und Ja. Die Langfassung sieht so aus.





Wir leben in einer Zeit, in der uns nicht mehr allein unsere Familie stützt. Teilweise gar nicht mehr. Wir reisen durch die Welt, studieren hier, arbeiten da und landen letztendlich irgendwo. Die Eltern, Großeltern und Freunde fern und per skype doch so nah. Aber was bringt mir das, wenn ich mit einem schreienden Baby wochenlang das Haus kaum verlasse, nur noch fastfood in mich hineinstopfe und hier und da einmal genüsslich dusche? Wenn die kindfreie Zeit sich auf wenige Stunden beschränkt und ich allmählich auf dem Zahnfleisch krieche?

Dann suche ich mir andere Hilfen. Ratgeber, Internetforen, befreundete Mamis mit den selben Problemen und in letzter Instanz noch den gestressten Kinderarzt. Nur blicke ich aus meinen schlaflosen Augen nicht durch im Ratgeberdschungel, zicke mich durch tausende Mütterdiskussionen in drei verschiedenen Internetforen, stelle fest, dass die Mamis in der Spielgruppe auch keine Wundermittel kennen und der Kinderarzt dreimal nach dem Namen meines Kindes fragt und dann schon wieder vergessen hat, was meine Frage war. Letztendlich sind wir allein. Allein zu zweit mit unserem Partner, wenn es gut läuft. Allein allein, wenn es ganz dick kommt.

Und die, die ihre Großeltern in der Nähe haben? Die haben sie entweder so nahe, dass es ihnen lieber wäre, sie würden 12 mal im Jahr Urlaub machen oder sie verlagern die Diskussionen an die Kaffeetafel und streiten sich mit einer anderen Generation, anderen Ansichten und anderen Ratschlägen. Und sind am Ende wieder allein.

Ist es da nicht gut jemanden zu haben, der genau dann da ist, wenn man ihn braucht ? Eine Person, die man von Anfang an kennt, die Schwangerschaft und Geburt begleitet hat und Einblick ins Partner-, Familien- und Alltagsleben hat? Wieviel davon, bestimmen ja die Eltern selbst. Und wieviel Hilfe sie beanspruchen auch.

Jemand, den ich auch mal einfach anrufen und volljammern kann. Jemand, der mir nicht gleich mit guten Tips und Ratschlägen kommt, sondern empathisch meine Anker heraufzieht, damit das Schiff weitersegeln kann. Der mir den Horizont erneut aufzeigt, während ich bereits glaubte, am Meeresboden zu ertrinken. Aber auch jemanden, der mir im Strudel von Meinungen, Ratschlägen und Streitigkeiten meinen eigenen Standpunkt wieder auf dem Boden festschraubt. Mich erinnert, wer ich bin und was ich will.

Ein Kind zu bekommen ist oft das größte Glück für ein Paar und bis zur Geburt können sich viele nicht vorstellen, wie sehr es letztendlich an der Beziehung und bereits gemeinsam aufgebautem Gerüst rütteln und schütteln kann. Weil viele sich bis dahin Gedanken machen um Ausstattungen, Kinderzimmereinrichtung und Spielzeuge, die ein Kind bis zum 1.Lebensjahr oft nicht braucht. Über die Erziehung, über eigene Prinzipien und Grenzen wird oft gar nicht gesprochen. Bewusst oder unbewusst. Und dann ist es soweit und mitten zwischen vollen Windeln, Brustentzündungen und durchwachten Nächten fallen Worte und Sätze, von denen man nie geglaubt hätte, dass sie in einem wohnen. Weil es nun an die eigene Substanz geht, die aber so am Zerbröseln ist, dass man vor lauter Putz- und Mauerwerksbrocken das Haus nicht mehr sieht. Und droht, zu zerbrechen. Baustelle Kind ohne Strom und Polier.

Das lässt sich verhindern. Indem man vorher beginnt zu arbeiten. An einer Basis, die kindgerecht ist. Die Probleme anspricht, bevor sie auftauchen.

Mein Mann und ich hatten das Glück, auf dieses kleine, scheinbar unwesentliche Detail hingewiesen zu werden. Und so begannen wir bereits in der 12. Schwangerschaftswoche über die Begleitung unseres Kindes ins Leben zu philosophieren. Und von da wanderten wir durch alle Themen, die sich dadurch öffneten, wagten es, an jeder uns noch so unbekannten Tür zu rütteln und kümmerten uns weniger um die Besorgung einer Badewanne oder eventuell notwendiger Milchnahrung. Ersteres brauchten wir sowieso erst nach einer Woche und zweiteres gar nicht. Alles andere öffnete uns eine Welt, die wir sonst mit ganz anderen Augen und Ohren erlebt hätten.
Ich bin dankbar dafür, dass wir unsere Prioritäten so verschoben haben. Und ich wünsche vielen, dass sie das auch (gern) tun. Dabei will ich helfen, begleiten und unterstützen. Ohne dabei eine Pole position einzunehmen, die Intimität oder Privatsphäre stören könnte.

Aber auch denen, die bereits an eventuellen Problemen oder Sorgen angelangt sind, nicht weiter wissen oder an Türen rütteln, die sich nicht öffnen lassen, möchte ich helfen. Und ich meine zu glauben, dass es davon sehr sehr viele gibt. Denn auf die wenigsten Fragen findet man im Internet, im Eltern-Kind-Zentrum oder beim Kinderarzt wirklich unterstützende Antworten oder zumindest wegweisende Worte. Weil jede Familie individuell ist. Einzigartig. Und neu.

Mittwoch, 15. Februar 2012

NEU


Vieles ist neu. Vieles ändert sich. Manchmal. Ständig.





Dass sich ein Leben mit Kind ändert, war klar. Wie drastisch - nein, das nicht. Nun bin ich auf neuen Pfaden, unterwegs dem Herzen folgend. Den Verstand tief in der Hosentasche vergraben. Mein Ziel ? Ein Großes und dennoch so ungreifbar klein. Bis jetzt.

Familien begleiten, Eltern unterstützen und Kindern eine Welt ermöglichen, die ihnen Raum für Entfaltung, Entdeckung und Geborgenheit gibt. Klingt groß. Mag sein. Aber das ist es, was ich will. Wirklich will. Wenn ich aufwache beginne ich darüber nachzudenken. Bis ich wieder einschlafe am Abend. Nach einem langen Tag voller neuer Ideen.

Dazwischen und doch mittendrin meine Familie. Herr Groß und Herr Klein und wer weiß, wer noch irgendwann.

Hier könnt Ihr mitlesen, wie ich wandere zwischen Pfaden, meinen Weg finde und gehe und was sich tut im Buntraum - im Raum für Eltern, Kinder und Familien.