Bunträume

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Montag, 15. Oktober 2012

Explosionen

Wer meine blog posts so liest, der könnte meinen, die Frau Buntraum hätte alles im Griff. Da "funktioniert" das Kind. Die Welt ist wunderbar, weil sie immer am besten weiß, wie man wann wohl reagieren sollte. Aber ich kann Euch beruhigen. Auch ich explodiere. Und das nicht selten.







Gerade jetzt, in der Schwangerschaft mit Frau Klein, ist es um meine Geduld nicht allzu gut bestellt. Da kann es schon mal passieren, dass ich ausflippe. Weil Herr Klein, sagen wir, nach dem Gang auf den Topf seine Hose nicht wieder anziehen will, aber verkühlt ist und ich es für WICHTIG halte. Das sage ich auch. In ca. 3 verschiedenen Variationen. Immer lauter werdend. Mit immer anderen Worten vermischt. Aber dieses Kind will. einfach. nicht. hören. Nein - auch auf mich nicht. Frau Superbelesen und in verschiedenen Ausbildungen steckend, wo genau solche Situationen immer wieder Thema sind. Und alles so logisch erscheint und klar.
Nein, in solchen Momenten bin ich eine ganz normale Mutter.

Aber ob Mutter oder FamilienberaterIn/begleiterIn/pädagogIn - ich habe hier zwei Möglichkeiten:

1) Ich kann mich maßlos ärgern und aufregen. Darüber, dass dieses Kind nicht hören will. Dass es trotzt und bockt anstatt sich ganz einfach diese Hose anzuziehen. Ich kann sogar noch weiter gehen und mich bei Verwandten oder Bekannten (oder im Social Web bei "Fremden") darüber auslassen, wie knietief dieses Kind gerade in der Trotzphase steckt und wie unglaublich mühsam und anstrengend das ist. Und dann kann ich schauen, was weiter passiert.

oder aber:

2) Ich kann mir eine ruhige Minute nehmen - entweder jetzt gleich, während das Kind sich weiterhin weigert, oder später am Abend ganz in Ruhe. Und dann kann ich überlegen, warum diese Situation WIRKLICH eskaliert ist. Denn dass ein Kind einer Bitte oder Aufforderung nicht nachkommt, geschieht ja häufiger. Allerdings gibt es Momente, in denen wir das gut aushalten und gemeinsam einen Weg finden. Und dann gibt es diese Eskalationen.

Dabei tut es gut, einen Schritt zurückzutreten und nicht nur diese Situation zu rahmen, sondern die Umgebung mit, den ganzen Tag, die Stimmung, die Atmosphäre. Und recht bald werden einem einige Dinge einfallen. Dass man unzufrieden ist - sei es mit der Unordnung im Haus und des Nichtnachkommens mit der Hausarbeit, mit dem eigenen Wohlbefinden oder mit Ärger, den man aus der Arbeit (unbewusst) mit hinausgetragen hat. Es können einfache Dinge wie Müdigkeit oder Hunger sein, oder auch Gereiztheit auf Grund von ... Nun, da gibt es wohl genügend Gründe. Oft kann man feststellen, wie man dem Kind recht schnell eine grantige Laune und Trotz unterstellt, bis man darauf kommt, dass das Kind ja nur unsere schlechte Laune spiegelt.

Egal was man entdeckt - es ist eine Reflexion. Eine Reflexion von Situationen und Stimmungen, die immer wieder auftreten werden. Und die man so vielleicht lernen kann zu verhindern. Oder vor dem großen Knall abzubrechen.
Vielleicht steht man aber auch einfach nur an. Nichts, was ein wirklicher Grund für diese Eskalation sein könnte, will einem einfallen. Dann gilt es, diese Situationen über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Und spätestens dann wird etwas auftauchen.

All das mag mühsamer klingen, als sich zurückzulehnen und zu behaupten, das Kind sei "In einer Phase". Aber auf längere Sicht ist es - davon bin ich überzeugt - die gesündere Variante. Weil sie hilft, unser Kind UND uns selbst besser zu verstehen. Einen gemeinsamen Weg zu finden, anstatt "Law und Order" durchzusetzen.

Also nein, ich bin nicht perfekt. Ich weiß nicht immer Rat und einen glatten Ausweg. Aber letztendlich würde mich das auch zu einer perfekten Puppe machen, mit einem perfekten Kind und einem perfekten Leben. Wie fad wäre das denn ?

Mittwoch, 2. Mai 2012

Gemeinsam wachsen

Sobald Frau schwanger ist, geht es gewöhnlich los. Wer sich nicht selbst Bücher über die aufregenden kommenden Monate kauft, bekommt sie sicher geschenkt. Und von da ist es dann nur mehr ein kleiner Schritt in den Wahnsinn des Ratgeberdschungels.


Man kann das von gar nicht ("Ich mach das ausm Bauch heraus.") bis exzessiv betreiben. Das Lesen von Ratgebern. Da ich Extreme in welche Richtung auch immer nicht mag, bin ich für den schnöden Mittelweg. Das ist wohl die meiste Arbeit, denn man muss erstmal herausfiltern, was brauchbar ist, was auf einen passt und womit man sich dann ausgiebiger beschäftigen will.

Aber ich will hier gar keine Anleitung für das Survival im Ratgeberdschungel schreiben. Vielmehr hat mich in letzter Zeit die Frage beschäftigt, was eigentlich so passiert, wenn man (oder Frau) so einen Ratgeber gelesen hat. Denn wenn man zum Beispiel Jesper Juul betrachtet, so ist der ja ein sehr bekannter Hund. Unterwegs, auf Spielplätzen oder in Parks, merkt man jedoch recht wenig davon, dass seine Bücher angeblich immer sehr gut verkauft sind. Nunja, gekauft ist nicht gleich gelesen. Aber das wäre im Falle Juuls wirklich schade, denn seine Bücher sind wirklich durch die Bank weg sehr empfehlenswert. Aber nein, das ist keine Verkaufsveranstaltung.

Denn wie ich nun nach langer Rätselei festgestellt habe, ist Ratgeber lesen nicht gleich handeln. Vor allem wenn es um Erziehungsfragen geht. Denn was uns oft gar nicht so bewusst ist, ist die Tatsache, dass wir vollgestopft sind mit Verhaltensmustern und Strukturen, die wir selbst erfahren haben. Wie oft haben wir uns gedacht, dass wir die Dinge anders machen wollen, als unsere Eltern? Egal wie, hauptsache anders. Nun, bei der Kindererziehung geht es da wirklich an die Substanz. Denn nach den ersten Monaten Schlafmangel und Stilldemenz, wenig Beziehung und einem stetig wechselnden Tagesablaufs, verfällt man schnell in Muster, von denen man nicht wusste, dass man sie so sehr inne hat. Da kann man noch so viel Juul gelesen haben, irgendwann stehen wir alle mal vor dem nicht hören wollendem Kinde und brüllen "Kannst Du nicht EINMAL..." oder "Musst Du IMMER...?"

Genau. Und nun brauchen wir uns nur einmal ruhig hinsetzen und fragen, woher wir diese Sprüche so gut kennen. Aus der eigenen Kindheit. Wir sehen plötzlich die wütenden Augen unserer Eltern, vielleicht sogar eine drohende erhobene Hand. Und denken "Oh scheiße!"

Kindererziehung ist eben nicht Ratgeber Lesen und Anwenden. Kindererziehung ist Elternerziehung. Und wer hier nicht bereit ist, sich dem zu stellen und die eigenen Muster aufzuknöpfen, um sie neu zu stricken, der kann sich abends genauso gut einen Krimi auf den Nachttisch legen (nichts gegen Krimis!).

Denn auch wer diese Ratgeber "anwendet", der wird merken, dass das nicht immer einfach so von der Hand geht. Wer das erste Mal vor seinem schreienden Kind hockt und sagt "Das ärgert Dich jetzt sehr. Du wolltest so gern noch mit dem Auto spielen" anstatt "Geh, Du hast doch vorher auch nicht damit gespielt.", dem mag das ungewöhnlich vorkommen. Aber das heißt nicht, dass wir es nicht versuchen sollten. Denn wer nun nach ein paar Malen draufgekommen ist, dass das Kind sich eigentlich recht schnell beruhigt, indem man es seine Gefühle leben lässt, anstatt sie stillzulegen, wer erfahren hat, dass ein ganz klares und deutliches "Nein. Das will ich nicht." viel besser 'funktioniert' als ein "Na bitte, das will ich eigentlich nicht so gern.", der wird dem fahrenden Zug so schnell nicht entspringen.

Aber es sind natürlich nicht immer diese Aha Erlebnisse. Es sind eben auch die eigenen Erfahrungen, die auftauchen, nachdem sie lange unbemerkt unter der Oberfläche geschlummert haben. Plötzlich setzt man sich mit der eigenen Kindheit auseinander. Das ist nicht immer Eis essen oder Märchenstunde mit Oma. Im Gegenteil. In unser aller Kindheit stecken oft Erlebnisse, die auch schmerzhaft gewesen sein können. Und ohne diesen zu begegnen, sich mit ihnen auseinander zu setzen und sie anzunehmen, können wir nicht von uns erwarten, dass wir ganz anders und am liebsten noch 'viel besser' handeln. Denn dann verbiegen wir uns nur.

Wieder einmal kann ich nur raten, recht bald, wenn möglich vor der Geburt, damit zu beginnen, mit dem Partner (so man denn nicht alleinerziehend ist) eine gemeinsame Basis zu finden. Welchen Weg wollen wir gehen? Was ist uns wichtig? Und wie? Denn während dieser schlafmangelnden stilldementen Monate, wenn dann die ersten Sackgassen auftauchen, reagieren oft nicht wir, sondern diese verinnerlichten Strukturen. Uns fehlen Motivation und Energie, um uns bewusst zu machen, dass wir doch 'anders' wollten, und 'besser'. Und umso mehr wir uns dann verfahren, umso schwieriger wird es, da herauszukommen.

Und dann ziehen und zupfen wir wieder nur an unseren Kindern, anstatt gemeinsam zu wachsen. 

 

Dienstag, 13. März 2012

Alles eso oder was ?

Ich bin keine wirkliche Esotante. Ich kenne mich wenig mit Kartenlegen, Aromaölen oder Geisterplauderei aus. Im Laufe der letzten Jahre habe ich jedoch mehr und mehr Faszination an Dingen gefunden, die einige wohl nicht für "normal" oder "rational" halten würden. Das ist ok. Für normal wurde ich bisher selten gehalten in meinem Leben. Und das ist gut so.

Im letzten Modul ging es um das Thema Entspannung und wie man sie fördert bzw. unterstützt. Von Atemtechniken über Aromatherapie bis hin zu Bachblüten. Alles ziemliches Neuland für mich. Aber nicht nur das - ich hatte nicht einmal wirklich Lust, mich damit auseinanderzusetzen. Dem Thema Öle stehe ich sehr skeptisch gegenüber, was daran liegen könnte, dass ich so intensive Gerüche überhaupt nicht vertrage. Schon gar nicht die einschlägig beliebten wie Lavendel, Rose oder Vanille.
Das Thema Bachblüten hingegen hat mich dann nach einigem Einlesen etwas mehr interessiert und ich kann mir vorstellen, es zu vertiefen. Dass ich jedoch selbst durch Wiesen hüpfe und Blüten pflücke, bezweifle ich jedoch stark. Aber ich glaube eben fest daran, dass es mehr gibt, als nur Schulmedizin. Dennoch möchte ich diese nicht verteufeln.

Ich denke es ist normal, wenn man Mutter wird, dass man sich mit Alternativen zum Alltäglichen und Allgegenwärtigen befasst. Ich hatte das auch vor. Einen Homöopathiekurs wollte ich nach der Geburt ganz und gar belegen und meinem Kind klassische Medikamente aus der Schulmedizin weitesgehend ersparen. Tja, dann kam die Diagnose Herzfehler und ich verabreichte Medikamente, die nicht nur eine leichte Entzündung oder Erkältung heilen sollten, sondern die den Blutdruck senkten und das Blut entwässerten. Medikamtente, deren Namen ich wohl mein Leben nicht vergessen werde. Die Homöopathie war nebensächlich, denn auf sie konnte und wollte ich nun wirklich nicht zählen. Stattdessen war und bin ich der Schulmedizin dankbar. Denn sie hat uns Leben gegeben. Lebenswertes Leben.

Ich werde also in meiner Arbeit weder das eine, noch das andere stark befürworten. Denn so, wie ich gelernt habe, dass die Schulmedizin nicht nur mit der Pharmaindustrie unter einer Decke steckt und Menschen verängstigt, so habe ich auch gelernt, dass es mehr gibt, als das, was wir sehen und hören. Dass es ein Inneres gibt, dass so belebt ist und so dominant, dass es Sinn macht, hineinzuhören in den eigenen Körper, und Kontakt aufzunehmen mit all dem, was dort "arbeitet".

Während der Gesprächsabende bei unserer Spielraumleiterin habe ich schon öfter gelernt, das vieles von dem, was wir tun oder sagen, nicht von uns JETZT kommt, sondern von Verhaltensmustern und Schemen, die uns anerzogen und antrainiert wurden. Und von Emotionen, die ganz tief verankert schlummern, aber denen wir teilweise erlauben, an die Oberfläche zu schießen und die Führung zu übernehmen. So ging (oder geht) es mir mit meiner Wut.
Ich wusste schon immer, dass sie sehr stark ist und wenn sie hervortritt, schnell die Kontrolle übernimmt. Als Kind war ich der Sturkopf der Familie, wurde "liebevoll" Bohrmaschine genannt, als Teenager galt ich als extrem bockig oder eigensinnig.
Ein Kind treibt einen schnell an seine Grenzen und kitzelt diese - und gerade diese negativen - Emotionen hervor. Mein Kind tut das eben mit meiner Wut und was passiert, ist, dass ich AUSFLIPPE. Ich schreie oder schmeiße etws durch den Raum (Was gut ist, wenn ich es tue, weil er etwas wirft, von dem ich nicht möchte, dass er es wirft). Ich stürme hinaus und knalle Türen. Mein Kind erschreckt und schreit. Nichts davon ist gut. Jedenfalls nicht in diesem Ausmaß.

Was also tun? Dem Kind erklären, dass meine Grenzen schnell mit so einem Wutanfall verbunden sind, und dass er bitte aufhören möge? Wenn das funktionieren würde, wären einige Eltern weniger verzweifelt. Was unsere Spielraumleiterin Brigitte mit mir getan hat, war mir erst unglaublich suspekt. Umso mehr hat mich die Wirkung beeindruckt.

Ich sollte das Gefühl beschreiben. Ihm Form und Farbe geben. Und dann versuchen, ihm einen Platz, einen Raum in mir zu geben. Und während ich mich anfangs noch etwas sträubte, sprudelte es schon aus mir heraus. Dieses tiefe kräftige rote Ding, was da eckig und kantig in mir "wütet" und viel zu groß ist, um ihm in meinem Körper Raum zu geben. Also bat sie mich, es irgendwo im Raum zu platzieren. An der gegenüberliegenden Wand, schien mir gut. Nur weit genug weg. Dann sagte sie, ich solle mir vorstellen, wie es da also steht und Augen hat. Ein Gesicht. In diese Augen sollte ich nun tief hineinblicken. Und bevor ich denken konnte "Was für ein Blödsinn." übermannte mich alles andere. Ich brach in Tränen aus. Ich schaute diesem riesigen roten entstellt kantigen Monster in seine riesigen hängenden Augen und dachte "Komm zurück. Du bist ein Teil von mir. Lass mich nicht allein." Und in Gedanken fiel ich diesem Monster um den Hals und hielt es ganz ganz fest. Aber ich sagte ihm auch (mit Brigittes Hilfe), dass es keine Berechtigung hat, die Führung zu übernehmen. Dass es ok ist, wenn es da ist. Aber dass es mich nicht außer gefecht setzen darf.
Und das werde ich ihm immer und immer wieder sagen. Wenn mir Spielzeugautos um die Ohren fliegen, ein drittes "Nein." aus unerklärlichen Gründen nicht als Nein bei meinem Sohn ankommt oder ich mich beim Wickeln durch meinen äußerst quirliges Kind mal wieder linkshändisch anstelle und mit Zeug beschmiert bin, was andere schnellstmöglich durch Kanalrohre jagen.
Du bist ein Teil von mir, liebes Monster. Aber nein, Du bist nicht ich.

Und wer das nun für esoterischen Quatsch hält, der kann das selber mal probieren. Und wer es dann immernoch für esoterischen Quatsch hält, hat eben seine Art, mit seinen Monstern und Drachen zu leben.

Verzeiht mir, wenn ich einiges von dieser Arbeit in meine mit einfließen lasse. Sagt mir, wenn es Euch zu viel wird. Denn ich bin keine Esotante. Aber ganz normal bin ich auch nicht.